Worin läufst du?

 

In welchen Schuhen, in welchen Spuren läufst du, in deinen oder fremden?

 

Die meisten von uns, einschließlich mir, sind ohne es zu merken in denen der Eltern, Lebenspartner:in oder anderer Vorfahren gelaufen.

Das ist selten ein bewusster Prozess. Wir nehmen ja nicht die Schuhe von jemandem aus dem Schrank und schlüpfen hinein. Vielmehr fühlen wir uns vielleicht irgendwie verbunden mit jemandem, ohne zu merken, dass die Verbindung eigentlich eine Fessel ist und keine, die uns Freiheit schenkt, sich gut anfühlt.

 

Wir tun es, glauben wir, aus Liebe, aus Loyalität, Freundschaft, Angst den anderen zu enttäuschen oder fühlen uns "verpflichtet" in Fußstapfen oder in Schuhen des anderen zu laufen: Eine Tochter gibt ihr Leben auf, um der Mutter im Pflegeheim täglich Essen anzureichen und landet im Burnout. Ein Sohn lebt nur noch um den Wunsch des Vaters zu erfüllen und seine Schreinerei zu weiterzuführen. Doch täglich spürt er, dass er eigentlich ein Künstler und kein Geschäftsmann ist. Und ich sehe viele "alte Kinder", längst erwachsen, die alles tun, um noch etwas Anerkennung der Mutter oder des Vaters zu ergattern.

 

Dann noch unsere Vorfahren, die mit ihren ungelösten Lebensvorfällen an uns zerren und uns ihre Last aufdrücken. Ich nenne es "Erblast" oder "Mitgift", achte mal auf die Bedeutung des Wortes...

Die Geschichten der Ahnen wirken sehr subtil in uns. Sind sie im Frieden gegangen ist alles gut, doch hierzulande sind die meisten durch Kriege, Verluste, Vertreibung so geschwächt, dass sie weder mit ihrer Umwelt noch mit sich selbst in Einklang gekommen sind. Wir blicken zurück auf  zwei Weltkriege, deren Folgen Dissoziation, Geschlechterkampf und Nachbarschaftskriege waren und die zu einer narzisstischen Gesellschaft in Unverbundenheit geführt haben.

 

Wie heilsam wären wirkliche Geschenke der Ahnen: Liebe, Herzensgüte, Vertrauen, Zuversicht in unseren eigenen Weg, in unsere Kraft und Talente. All das müssen sich die Nachkriegsgenerationen mit großer Anstrengung und Entschlossenheit selbst geben oder in einer spirituellen Schule finden.

 

Wie würde es sich anfühlen, wenn du in deinen Schuhen oder Spuren läufst, keine fremde Last mehr auf den Schultern trägst, sondern befreit nur du selbst sein darfst? Anstatt Aufgaben anderer zu lösen, dich selbst in die Entfaltung bringst mit all deinen Gaben, die du als Individuum geschenkt bekommen hast. 

 

Nimm dir gerne Zeit, dazu Bilder zu entwerfen.

 

Ich habe mich heute mit dem Hexagramm 35, Fortschritt oder das Gedeihen aus dem I Ging beschäftigt. Du siehst das chinesische Zeichen jin dazu als Bild unten (Quelle: www.zhandao.de) 

Es ist solch ein kraftvolles chinesisches Zeichen. Aufrecht, befreit, in ausgewogener Yin- und Yang-Kraft strotzt es vor Stärke, Balance, Leichtigkeit und Selbstermächtigung. Fortschreiten im Einklang mit sich selbst und anderen.

 

Das Hexagramm 35 besteht aus vier Trigrammen: Kun, der Erde; Gen, dem Berg; Kan, dem Wasser und Li, dem Feuer. 

Mich damit zu beschäftigen bedeutet eine innere Wanderung machen. Sie beginnt aus der Ruhe, Kun, dem weiblichen Erdprinzip, das für Urvertrauen steht. Ich vertraue dem Lebensprinzip, der universellen Ordnung und gehe auf den Berg, Gen, dem männlichen Prinzip. von dort oben schaue ich auf alles, was da ist, bei mir ist, an mir haftet usw. Bestandsaufnahme. Ich überprüfe, was ich wirklich brauche, was zu mir gehört und was nicht und lasse Überflüssiges los.

Vom Berg aus gehe ich zu Kan, dem Wasser, dem weiblichen Prinzip. Es steht für Fühlen, Wahrnehmen, Seele, Urgrund, Intuition, Weisheit und individuelles Sein. Wenn ich mich mit Kan verbinde, bin ich in meiner eigenen Energie, fühle meine Essenz. Ich steige aus dem klaren Wasser und übergebe mich dem Feuerprinzip Li, der Sonne, die mir bewusst macht, was mir meine Sicht trübte, welcher Täuschung, Illusion ich erlegen war. Ich reibe mir die Augen und sehe klar. Ja, ich erkenne: Fremdes, nicht (mehr) Passendes durfte gehen. Nun bin ich befreit davon und darf mich selbst leben, mich selbst ermächtigen. Li steht für Klarheit, Reinigung, (Müll-)Trennung und Wandlung zum Wesentlichen. Nun bleibt übrig, was ich bin. Wie ist die neue Urform? Was macht mich aus, wie bin ich wirklich hinter all dem Ballast, den Schichten, die über meiner Seele lagen?

 

Nun bin ich Ich. Die oder der ich wirklich bin.

 

Ich wünsche dir ein gutes Gelingen beim Fortschreiten zu deiner Essenz. 

 

Anke

 

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Kommentare: 2
  • #1

    TanjaLillith (Montag, 26 Januar 2026 18:02)

    Danke für die Worte!

  • #2

    Sarah (Dienstag, 27 Januar 2026 22:23)

    Sehr interessant und hilfreich! Das werde ich beim nächsten mal testen, wenn ich mal wieder Fremdlasten mit mir trage.